Über das Wesen des Qi

   

"Der Geist, der allen Dingen Leben verleiht,

ist die Liebe."

 

Der daoistische Qi-Begriff meint in erster Linie eine feinstoffliche Substanz, eine vitale Energie, die alles durchdringt und alles begleitet was existiert. Qi ist die beseelende Kraft, aus der das ganze Universum sowohl in physischer als auch geistiger Hinsicht besteht. Diese übergeordnete Intelligenz ist dabei jedoch weder physischer noch geistiger Natur. In einer sich ständig verändernden Wirklichkeit stellt das Qi die einzige Konstante im Universum dar. Qi ist nach altchinesischer Kultur eng verbunden mit der Spiritualität und den klösterlichen Traditionen. Nach daoistischer Vorstellung entstand die Welt aus dem ursprünglichen Qi (Yuanqi), in dem Yin und Yang noch vermischt waren.

 

„Himmel und Erde bildeten sich erst durch Trennung des Einen;

Was Yanqi empfing, stieg hell und klar empor und wurde Himmel,

was Yinqi erhielt, wurde dunkel und schwer und sank zur Erde.

Und was Yin und Yang in gerecht und ausgewogenem Maße erhielt,

war der Mensch in der Mitte.“

 

Der chinesische Begriff Qi (Ch’i, Qui etc.), analog Ki in Japan und Gi in Korea, hat viele Bedeutungen, u.a. steht er für Energie, Atem, Fluidum, und kann auch wörtlich übersetzt Dampf, Luft, Hauch, Äther, Kraft, Temperament und Atmosphäre bedeuten.

 

Der Begriff des Qi hat eine enge Beziehung zur Natur, zu Natürlichkeit und zum Zustand der Harmonie. Qi bedeutet auch soviel wie „innerer Atem“ und dient der Pflege des Lebens (Yangsheng). Ist die Lebenskraft Qi in ausreichendem Maße  vorhanden, macht sie den Menschen wach, aktiv und lebendig. Schwache Lebenskraft und damit ein Mangel an Qi führt dagegen zu Trägheit, Schläfrigkeit und instabiler körperlicher und geistiger Verfassung.

 

Qi ist die alles durchdringende Lebensenergie, Vital- und Lebenskraft. Das Wort Gong bedeutet sowohl vollbrachte Arbeit als auch kunstfertiger Umgang mit dieser Energie. Qi Gong ist in diesem Sinne die klassische Grundlage aller praktischen Anwendungen der traditionellen chinesischen Wissenschaften und einer der wichtigsten Eckpfeiler in der Meditation wie auch den Kampfkünsten. Das Üben von Qi Gong schult die Wahrnehmung und die Intuition, es stärkt die physische, mentale und emotionale Gesundheit sowie die geistige Klarheit.

 

"Das Qi ist in Dir

und Du bist im Qi.

Öffne Dein Herz

und strahle es in die Welt." 

(Chun Tong Ming)

 

Qi Gong (alte Schreibweise: Chi Kung) gilt als eine der drei Säulen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Als Meditations- und Bewegungsform zur Pflege der Gesundheit von Körper und Geist beschäftigt sich Qi Gong mit der Stärkung und Harmonisierung des Qi im menschlichen Körper und seinem feinstofflichen Energiesystem sowie dem Umgebungs-Qi. Das Qi - symbolisiert durch die beiden gegensätzlichen und sich gleichzeitig bedingenden Kräfte von Yin und Yang - im Körper wieder in seinen natürlichen, ausgeglichenen Zustand zu bringen, ist das Grundprinzip jeder traditionellen chinesischen Therapieform.

 

Bei einer perfekten Harmonie beider Kräfte befindet sich der Qi-Fluss des Menschen im Gleichgewicht und in Harmonie mit der Umgebung. Das Modell der traditionellen chinesischen Medizin besagt, dass der menschliche Körper im Inneren mehrere Elemente bzw. Funktionskreise aufweist, die mit einem Energiefluss korrespondieren, der teilweise an der Körperoberfläche und teilweise leicht darunter verläuft - und der des Weiteren über den Körper hinaus strahlt und ihn mit seiner Umgebung verbindet. Krankheit resultiert demnach aus einer Störung dieses harmonischen Flusses. Nach dieser Auffassung kann Krankheit z.B. durch mangelnden Qi-Fluss, durch Stockung, durch Mangel an Qi selbst oder durch verbrauchtes und nicht abgeleitetes Qi entstehen.

 

„Jing Gong“ wird das sogenannte Stille Qi Gong genannt, das jeder problemlos erlernen kann, da die Übungen in der Regel im Sitzen, Liegen oder auch im Stehen praktiziert werden können. Durch das Erspüren lernen der eigenen Energien, erwachen die Selbstheilungskräfte.

 

Das bewusste Wahrnehmen und Kontrollieren des Qi spielt unter anderem in vielen fernöstlichen Kampfkünsten eine große Rolle. Beispiele hierfür sind sowohl die sogenannten "Inneren Kampfkünste", zu denen auch Formen des Tai Chi Chuan gehören, als auch das Aikido oder die Shaolin-Kampfkünste. Hierbei wird es dem Praktizierenden durch entsprechende körperliche und geistige Schulungen möglich, den Qi-Fluss so zu kontrollieren und zu lenken, dass der Kämpfer schier Unglaubliches zu vollbringen vermag. Die Erlangung wahrer Meisterschaft in den Kampfkünsten drückt sich jedoch durch folgendes Zitat am treffendsten aus:

 

"Die höchste Stufe der Kampfkunst ist es,

nicht mehr zu kämpfen."

(Aus dem Shaolin-Gongfu)

 

In diesem Sinne geht es bei der Kultivierung der Lebensenergie durch Qi Gong insbesondere darum, in Körper und Geist die individuelle Balance und Harmonie zu finden, so dass sich Frieden, Klarheit, Liebe und Mitgefühl in der eigenen Welt entfalten kann.

 

 

  

Das Wesen der Klarheit

  

"Klarheit ist Ausdruck göttlicher Liebe. 

 

Klarheit bewirkt einen ungehinderten Energiefluss und ist die effizienteste Art des Umgangs mit den eigenen Ressourcen.

 

Un-Klarheit erschafft Missverständnisse und manifestiert Widerstände im Lebensenergiestrom. 

 

Somit setzt Klarheit immense Kräfte frei.

 

Wer klar ist, hat die Dunkelheit durchschritten und sieht das Licht.

 

Klarheit gibt Sicherheit und erlöst hemmende Kompliziertheit.

 

Klarheit erschafft Raum für Neues.

 

Und auch wenn Klarheit Weite und Raum erschafft, so ist dieses Licht bei gezielter Fokussierung in der Lage, Diamanten zu zerteilen. 

 

So kann Klarheit wie eine gute Klinge rasiermesserscharf und im subjektiven Empfinden "gnadenlos" sein. 

 

Doch genau das ist ihre Gnade, indem sie Wissen von Unwissenheit trennt und dadurch Licht ins Dunkel bringt. 

 

Und wenn Klarheit "schneidet", dann nicht um zu verletzen, sondern um dich zu beschützen und dein Herz zu befreien.

 

Wer klar ist, wird von unklaren Menschen oft als unangenehm und bedrohlich wahrgenommen, weil er sie nicht in ihren destruktiven Mustern

bestätigt, sondern sie an ihre Fähigkeit zur Veränderung und die Notwendigkeit von Entscheidung erinnert.

 

Die Energie der Klarheit lädt dazu ein, in diesem Licht und dieser Ausrichtung mitzuschwingen und in Entwicklung zu gehen.

 

Auch wartet die Klarheit stets wohlwollend und geduldig auf dich, bis du den Mut entwickelt hast, dich ihr zuzuwenden.

 

So wirst du schließlich erkennen, dass sie schon immer in dir wohnte.

 

Wie Eis, das in der Sonne schmilzt, so transformiert Klarheit die Dunkelheit in Licht - und Schwere verwandelt sich in Leichtigkeit, Traurigkeit in Freude.

 

Wahrhaftige Klarheit schwingt jenseits der Polarität von "gut" und "böse", "schön" und "unschön" oder "richtig" und "falsch". 

 

Sie ist nicht emotional besetzt, sondern neutral - auch wenn sie in unklaren Menschen Emotionalität und Unbehagen auslösen kann.

 

Dies ist eine Orientierungshilfe zum besseren Erkennen.

 

Die Energie von Klarheit schmeckt nach Frische und Reinheit, wie das wundervoll kühle Nass eines plätschernden Bergbachs, der sich manchmal in einen reissenden Strom verwandelt

und alle Hindernisse fortspült.

 

Klarheit lebt durch klare Entscheidungen. 

 

Jeder Kompromiss dämpft dieses Licht. 

 

Eine klare Entscheidung kann auch heißen, sich jetzt (noch) nicht zu entscheiden.

 

Klarheit ist reines Bewusstsein - und Bewusstsein ist Liebe, ist Licht.  

 

Klarheit ist pures Sein. 

 

Klarheit ist."

 

 

(Chun Tong Ming)